Kundenportale Plattform Vergleich – Baukasten, Plattform oder Individualentwicklung?

Der Druck zur Digitalisierung steigt – nicht nur gefühlt, sondern messbar: Laut einer aktuellen IDC-Studie erwarten über 75 % der B2B-Kund:innen digitale Self-Service-Angebote als Standard. Gleichzeitig geben 68 % der Unternehmen an, dass ihr Kundenportal nicht den heutigen Anforderungen an Nutzerfreundlichkeit, Integration oder Skalierbarkeit entspricht.
Klar ist: Ein Kundenportal ist längst nicht mehr nur ein Servicekanal. Es ist das zentrale Interface zwischen Unternehmen und Kund:innen – und oft der erste digitale Berührungspunkt überhaupt. Umso wichtiger ist es, bei der Wahl des technologischen Fundaments die richtigen Weichen zu stellen.
Doch genau hier wird’s spannend – und kompliziert. Der Markt bietet zahlreiche Möglichkeiten: vom schlanken Baukastensystem über flexible Plattformlösungen bis hin zur vollständig maßgeschneiderten Entwicklung. Jede dieser Varianten bringt Vor- und Nachteile mit sich – und passt nicht automatisch zu jedem Unternehmen oder Projekt.
Unsere Erfahrung zeigt: Wer beim Kundenportal-Setup nur auf kurzfristige Projektziele schaut, riskiert langfristig hohe Kosten, unflexible Architekturen oder unzufriedene Nutzer:innen. Deshalb ist es entscheidend, strategisch zu denken – und die technologische Basis so zu wählen, dass sie auch morgen noch trägt.
In diesem Artikel bekommst Du einen strukturierten Überblick über die gängigen Lösungsansätze, klare Entscheidungskriterien und praxisnahe Empfehlungen. Damit Du genau das Kundenportal bekommst, das zu Deiner Organisation, Deinen Prozessen und Deinen Zielen passt.
Drei Wege zum Kundenportal – ein Überblick
Nicht jedes Unternehmen braucht dieselbe Lösung – und das gilt besonders bei Kundenportalen. Die Art, wie Du Dein Portal aufbaust, hat unmittelbaren Einfluss auf Time-to-Market, Flexibilität, Nutzererlebnis und zukünftige Skalierung. Im Kern haben sich drei Ansätze etabliert, zwischen denen Du strategisch abwägen solltest


Baukastensysteme – schnell und standardisiert
Endkunden erwarten einfache, intuitive Self-Service-Funktionen, personalisierte Angebote und maximale Verfügbarkeit – rund um die Uhr, auf jedem Endgerät. Hier geht es um Nutzererlebnis, Vertrauen und Effizienz. Ob Vertragsverwaltung, Service-Anfragen oder Loyalty-Programme: Der Erfolg hängt davon ab, wie nahtlos und angenehm der digitale Kontakt verläuft.
Plattformbasierte Lösungen – flexibel und zukunftssicher
Mit Plattformlösungen wie Liferay, Microsoft Platform, Salesforce Experience Cloud oder vergleichbaren Systemen entscheidest Du Dich für eine solide technologische Basis mit hoher Flexibilität. Du kannst Funktionen und UI modular erweitern, Drittsysteme integrieren und das Portal gezielt an Deine Zielgruppen anpassen – ohne bei null zu starten.
Diese Option bietet einen ausgewogenen Mittelweg zwischen Geschwindigkeit, Anpassbarkeit und technischer Kontrolle. Vor allem für Unternehmen mit gewachsenen Systemlandschaften und klaren Skalierungszielen ist die Plattformstrategie häufig der Sweet Spot.


Individuelle Entwicklung – maximal angepasst, maximal eigenverantwortlich
Wenn Dein Geschäftsmodell, Deine UX-Anforderungen oder Deine Systemlandschaft besonders spezifisch sind, kann ein individuell entwickeltes Portal die richtige Wahl sein. Hier wird von Grund auf gebaut – genau nach Deinen Prozessen, Rollen, CI-Vorgaben und Sicherheitsanforderungen.
Das bedeutet maximale Kontrolle, aber auch höhere Komplexität in der Umsetzung und im Betrieb. Diese Lösung eignet sich besonders für Unternehmen mit starker IT-Kompetenz, klarer Digitalstrategie und langfristigem Investitionshorizont.
Der direkte Vergleich – Baukasten, Plattform oder Individualentwicklung?
Kriterium 4132_60ded4-f9> |
Baukastensystem (SaaS / Low-Code) 4132_8cac53-99> |
Plattformlösung (z. B. Liferay, Salesforce) 4132_4904d9-28> |
Individualentwicklung (Custom Code) 4132_08072d-21> |
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Time-to-Market 4132_ffd1d7-ae> |
Sehr schnell – oft in wenigen Wochen 4132_b9f5ad-83> |
Mittel – standardisierte Module ermöglichen zügigen Start 4132_4396ca-28> |
Langsam – längere Projektlaufzeit durch vollständigen Aufbau 4132_fa15f7-69> |
Initialkosten 4132_57a158-6e> |
Gering – günstiger Einstieg 4132_57b1d5-f3> |
Mittel – abhängig von Lizenzmodell & Umfang 4132_0b1717-ef> |
Hoch – individuelle Konzeption und Entwicklung erforderlich 4132_08d20c-57> |
Betriebskosten 4132_3dfe86-6f> |
Monatliche Lizenzgebühren, wenig Wartung 4132_6fe777-be> |
Lizenz + Wartung/Hosting, gute Planbarkeit 4132_49bc23-ac> |
Höher – eigener Betrieb oder DevOps notwendig 4132_4eb99c-3b> |
Flexibilität 4132_e53150-77> |
Eingeschränkt – vordefinierte Module 4132_dab87f-5d> |
Hoch – modular erweiterbar, gute API-Strategie 4132_314996-09> |
Maximal – komplette Freiheit in Design & Funktion 4132_02b04c-0d> |
Skalierbarkeit 4132_bfec34-69> |
Begrenzt – bei komplexen Szenarien schnell limitiert 4132_fc72e4-77> |
Sehr gut – auch international oder mandantenfähig 4132_a349fb-d4> |
Sehr gut – volle Kontrolle über Architektur 4132_d7e9e9-38> |
Integrationstiefe 4132_15687f-ea> |
Gering bis mittel – abhängig vom Anbieter 4132_e558a7-71> |
Hoch – viele Plattformen bringen fertige Connectoren mit 4132_377fdd-06> |
Maximal – vollständig anpassbar an vorhandene Systemlandschaft 4132_84ebfb-a9> |
Sicherheit & Compliance 4132_edcebe-b6> |
Eingeschränkt steuerbar (abhängig vom Anbieter) 4132_9d20c2-06> |
Hoch – Enterprise-Funktionalität (SSO, Rollen, DSGVO) 4132_95013e-80> |
Maximal – volle Kontrolle über Hosting, Security & Zugriff 4132_d4483a-75> |
UX & CI-Anpassung 4132_dad7e5-c2> |
Basis-Branding möglich, wenig Freiraum 4132_5dc85d-6a> |
Hoch – eigene Themes, Navigation, Sprache, Struktur 4132_396faa-36> |
Maximal – genaue CI-Umsetzung möglich 4132_6acbf9-87> |
Governance & Wartung 4132_f81f0f-68> |
Eingeschränkt – wenig Einfluss auf Releases 4132_dc14e3-89> |
Guter Mittelweg – IT-konform, wartbar, erweiterbar 4132_a9bccb-65> |
Volle Verantwortung – aber auch maximale Anpassung 4132_1c605c-4a> |

Welcher Ansatz passt zu welchem Unternehmenstyp?
Nicht jede Organisation hat dieselben Anforderungen, Systeme oder Digitalisierungsziele. Deshalb ist es wichtig, nicht nur nach dem schnellsten oder günstigsten Weg zu entscheiden – sondern nach dem, der langfristig strategisch trägt. Unsere Erfahrung zeigt: Individuelle Kundenportale zahlen sich dann aus, wenn sie auf einem stabilen Fundament und einer klaren Digitalstrategie basieren. Hier einige typische Szenarien – mit unserer Empfehlung aus Sicht der Praxis:
Szenario 1: Mittelständisches Unternehmen – schnell starten, aber mit Wachstum im Blick
Für viele mittelständische Unternehmen wirkt ein Baukastensystem auf den ersten Blick attraktiv – schnell verfügbar, geringe Einstiegskosten, einfache Oberfläche. Doch häufig stößt diese Lösung schneller an Grenzen als erwartet: bei der Integration in ERP-Systeme, bei besonderen Rollenmodellen oder im UX-Design.
Unsere Empfehlung: In solchen Fällen setzen wir auf eine modulare Individualentwicklung mit klar definierten Standards. Damit kommst Du schnell zum MVP – ohne auf langfristige Erweiterbarkeit und Skalierbarkeit zu verzichten.
Empfohlener Ansatz: Individuelle Entwicklung auf Standard-Frameworks (z. B. mit Low-Code-Komponenten als Beschleuniger)
Szenario 2: Konzern mit mehreren Geschäftsbereichen und internationalen Anforderungen
Wenn Du mit verschiedenen Marken, Regionen oder Kundengruppen arbeitest, brauchst Du vor allem eines: technische Konsistenz bei maximaler Flexibilität. Plattformlösungen wirken oft wie der logische Weg – doch in der Realität sind sie häufig zu starr oder zu teuer, wenn es um tiefgehende Individualisierung geht.
Unsere Empfehlung: Eine maßgeschneiderte Portalarchitektur, die auf offenen Standards basiert, ermöglicht Dir die Integration aller Zielgruppen in einem Ökosystem – mit durchgängiger UX, Rollenlogik, Sprache und Mandantenfähigkeit.
Empfohlener Ansatz: Individuelle Portalplattform mit modularem Aufbau (z. B. Headless, API-first)
Szenario 3: Unternehmen mit digitalem Mindset und Tech-Kompetenz
Wenn Ihr intern bereits stark aufgestellt seid, agile Produktentwicklung lebt und klare digitale Visionen habt, führt kaum ein Weg an einer eigenen Lösung vorbei. Hier kann ein Kundenportal zur digitalen Plattform für neue Services, Geschäftsmodelle oder Partnerangebote werden.
Unsere Empfehlung: Wir begleiten Dich mit erprobten Methoden, klarer Governance und einem technologieoffenen Stack – damit Dein Portal kein Einmalprojekt bleibt, sondern sich langfristig weiterentwickeln lässt.
Empfohlener Ansatz: Individuelle Entwicklung – mit Fokus auf DevOps, API-Architektur und Governance
Szenario 4: Bestehende Plattform mit Lücken – und dem Wunsch nach mehr Kontrolle
Du nutzt bereits Salesforce, Microsoft oder eine andere Plattform, aber Dir fehlen bestimmte Funktionen, Designs oder Integrationen? Statt Workarounds zu bauen, lohnt sich ein gezielter Ausbau durch Custom-Komponenten oder ein vorgelagertes Frontend, das Dein bestehendes System ergänzt.
Unsere Empfehlung: Setze auf einen Hybrid-Ansatz mit klarer Schnittstellendefinition und starker Trennung von UI und Logik. So bleibst Du flexibel – auch, wenn sich die Plattformstrategie verändert.
Empfohlener Ansatz: Plattformlösung + individuelle Erweiterung / eigenes Frontend (Composable Architecture)

Wir entwickeln keine Einzelportale – wir denken in digitalen Plattformen. Unsere Kundenportale sind so modular und strategisch gebaut, dass sie langfristig mit dem Unternehmen wachsen.
Till Neitzke
DMG-Perspektive aus der Praxis: Wann welcher Ansatz wirklich funktioniert
Kundenportale sind kein Greenfield-Projekt – zumindest selten. Fast jedes Unternehmen bringt eine gewachsene IT-Landschaft, bestehende Prozesse und strategische Ziele mit. Die Herausforderung liegt darin, diese Realität mit dem passenden technischen Ansatz zusammenzubringen – und dabei die langfristige Perspektive nicht aus dem Blick zu verlieren.
Wir bei DMG haben in den letzten Jahren zahlreiche Portalprojekte begleitet – von international agierenden Konzernen bis hin zu mittelständischen Spezialisten. Und auch wenn jedes Projekt einzigartig ist, sehen wir immer wieder Muster, die sich herauskristallisieren.
Einige Learnings aus vergangenen Projekten:

Unsere Empfehlung: Denk nicht nur in Kategorien wie „Standard“ oder „Custom“, sondern in Plattformstrategie. Welche Rolle soll Dein Kundenportal in 2, 5 oder 10 Jahren spielen? Wenn diese Frage klar beantwortet ist, ergibt sich der passende technologische Weg oft ganz von selbst.
Fazit: Technologie ist nur ein Teil der Entscheidung
Ein Kundenportal ist heute weit mehr als ein Service-Frontend – es ist ein strategisches Werkzeug, das Prozesse, Kundenbindung und Geschäftsmodelle direkt beeinflusst. Doch genau deshalb ist die Wahl des richtigen Ansatzes keine rein technologische Entscheidung. Es geht um Passung: zur Organisation, zur IT-Architektur, zur Digitalstrategie.
Die drei Ansätze – Baukasten, Plattform und individuelle Entwicklung – bringen jeweils Stärken mit. Aber erst der Blick auf das „Big Picture“ zeigt, was wirklich zu Dir passt:
Unsere klare Überzeugung: Wer langfristig denkt, investiert nicht in Software – sondern in Plattformfähigkeit. Denn das Portal von heute ist das Ökosystem von morgen.
Wenn Du also überlegst, wie Dein Unternehmen digital weiter wachsen kann – dann ist die Wahl des Kundenportal-Ansatzes ein zentraler Schritt. Und wir helfen Dir gern dabei, diesen Weg mit Klarheit, Struktur und technologischem Weitblick zu gestalten.

Gemeinsam erfolgreich in der digitalen Transformation –
Dein Kennenlerngespräch mit DMG
In unserem Kennenlerngespräch besprechen wir
- was sind eure aktuellen Herausforderungen in digitalen Projekten
- wie es andere Unternehmen gemacht habenund wie ihr das für euch nutzen könnt.
- was jetzt zu tun ist und ob wir die Richtigen dafür sind.